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Stuttgart21 plus plus
Als überzeugter Projektmensch weiß ich nicht erst seit der Schlichtung, dass Stuttgart21 inzwischen ein modellhaftes Projekt ist, wie wichtige Stakeholderinterressen schlicht optimaler gemanaged werden können.
Ich will an dieser Stelle auch nicht auf ein Pro & Contra für oder gegen Stuttgart21 plädieren, sondern schlicht meiner Trauer Ausdruck verleihen, die mich noch immer beim Gedenken an den 30. September 2010 trifft.
Für mich ist es völlig sekundär wer an diesem Tage Recht oder Unrecht hatte, ob der Untersuchungsausschuß ein wahres Ergebnis ermitteln kann oder ob für die alten Bäume neue gepflanzt werden.
Dies ist alles nicht entscheidend, entscheiden ist, dass sich solche Aktionen wenn irgendmöglich in diesem Land nicht mehr wiederholen. Das die Ereignisse, quasi als "Lessons learned", sauber aufgearbeitet werden und Betroffenen so gut es irgend geht geholfen wird. Ob nach Faktenlage jeweils Gespräche stattfinden oder über die Schlichtung und den Untersuchungsausschuß hinaus stattgefunden haben, weiß ich nicht - wäre aber ansonsten eventuell menschlich wertvoll.
Die Probleme die wir die nächsten Jahre zu bewältigen haben sind vermutlich ein paar Hausnummern größer als Stuttgart21. Denn Deutschland21 und Europa21 sind andere Kaliber. Die notwendige Kommunikation sinnvoll zu führen ist eine echte Herausforderung für alle Beteiligten.
Ich verstehe für den 30. September die jeweiligen Seiten & die Argumente, war auch das ein oder andere Mal bei Stuttgart Aufenthalten als Leser am Bauzaun und bei der S21-Ausstellung - nur - mir ist es schleierhaft wie wir in Deutschland, aus den gegebenen Gründen, so miteinander umgehen konnten. Hierbei bevorzuge ich keine der betroffenen und aktiven Seiten, denn sich unter Umständen mutwillig und bewußt dem Wasserstrahl auszusetzen kann genauso sinnlos sein wie unbedingt am Tag X, aus welchen Gründen auch immer, alles klar machen zu wollen.
Ich weiß nicht was im Detail alles genau passiert ist, kenne die Bilder & Reportagen - aber - ich war vom 30. September auf den 1. Oktober 2010 einfach nur unfassbar traurig, betroffen und verletzt - und ich war damit in dieser Republik nicht allein.
Ich bin für den Fortschritt in diesem Land, insbesondere für die Region Stuttgart sind schlüssige Innovationen, eine erstklassige Infrastruktur und gute Projekte auf vielen Ebenen ein wesentlicher Keyfaktor. Nur bin ich auch dafür, dass wir die Menschen soweit irgendmöglich mitnehmen und nicht im Elfenbeinturm einsame Entscheidungen treffen, die nachher von weiten Teilen nicht mitgetragen werden können weil sie nicht eingebunden waren oder ihre Argumente nicht gehört wurden.
Just my simple opinion.
Ihr
Uli Beck
PS1.: Vielleicht gibt es bei entsprechenden Projekten ja zukünftig eine bessere Stakeholderanalyse und gegebenenfalls sinnvolle Maßnahmen im Vorfeld - es wäre schön.
PS2.: Warum haben wir bei der Schlichtung einen Kompromiss grundsätzlich ausgeschlossen?
Vielleicht gibt es ja irgendwann ein S21 plus plus - was bedeutet wir verbinden S21 mit K21....
Wenn der Streßtest ergibt, dass das bisherige S21 nicht Allem gewachsen ist, könnten wir ja auch beim Rückbau des alten Gleiskörpers einen kleinen Teil stehen lassen und das neue Stadtviertel drumherum bauen. Langsamere Züge fahren oben und schnelle Verbindungen fahren unten.
Ist nur eine simple Idee - aber Zeit zum Reifen und Entscheiden hätte sie vermutlich.... oder?
gedacht im Herbst 2010
Erstveröffentlichung am 20/12/2010 mit kurzer Erweiterung vom 21/12/2010 und PS2 vom 28/12/2010
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